Kurzbiographie

Karl Rudolf Johannes Waldemar Schwarz, heimatberechtigt in Bowil, wurde am 19. September 1895 in Bern als Sohn von Carl Gottlieb Schwarz und Elisa Lüthi geboren und ist auch dort aufgewachsen. Nach der Schulzeit liess er sich zum Kaufmann ausbilden.

Am 1. Juni 1923 heiratete Hans Schwarz mit Lucia Clara Elvira Pezolt die Tochter einer bekannten bernischen Burgerfamilie. 1924 und 1939 wurden dem Ehepaar Schwarz mit Agnes Ruth und Marie-Antoinette Agnes zwei Töchter geschenkt.

Schon seit seiner Kindheit hatte er eine tiefe Zuneigung zu den Pferden gezeigt. Oft half er seinem Vater die Pferde zu versorgen. Der Militärdienst, welchen er bis zum Grad eines Oberleutnants in einem Train-Regiment absolvierte, machte einen vollendeten Reiter aus ihm. Nach der Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich im August 1914 wurde er direkt nach der Rekrutenschule zum Aktivdienst im Grenzschutz im Jura eingezogen. Als Teil der bewaffneten Schweiz half er leidenschaftlich mit, den Frieden zu bewahren und zur Verteidigung der Neutralität beizutragen, die von unserem Heimatland gewahrt wurde.

Der Autor

Aus dieser Zeit von "Servitudes et Grandeurs militairs", wie der französische Schriftsteller Alfred de Vigny einst sagte, hat er seine Erinnerungen in "Militia Helvetica" festgehalten. Es entstand daraus eine Mischung aus Anekdoten und zutreffenden Beobachtungen, welche schliesslich in drei Bänden niedergeschrieben wurde. Diese Werke bleiben bis heute eine lebendige Zeugenaussage.

Hans Schwarz liebte lange Ausflüge zu Pferde. Dies war in seinen Augen die einzige Möglichkeit, ein Land mit all seinen Details und Eigenheiten kennen zu lernen und mit seinen Einwohnern in Kontakt zu kommen. Er machte seine erste grosse Reise nach Frankreich, die Nation, welche er fast ebenso liebte wie die Schweiz und für dessen glorreiche, aber auch tragische Geschichte, er grosses Interesse hatte. Man muss seinen "Ritt durch Frankreich“ lesen, um ihm durch die verschiedenen Provinzen zu folgen, in welchen die Städte und Denkmäler an Prunk und Trauer erinnern. In Domrémy wurde er an das tragische Schicksal von Jeanne d’Arc erinnert. In der Vendée erlebte er das Epos der "Géants" wieder (Aufstand der Vendée), welche einen heldenhaften, schlussendlich aber erfolglosen Kampf gegen die französische Revolution und für die Verteidigung ihres dreifachen Ideales führten: Gott, König und Tradition. Im Gedenken an General Charette, welcher die royalistisch-katholischen Truppen befehligt hatte, taufte Hans Schwarz seine in Köniz erbaute Villa auf den Namen „Fonteclose“. Unter dem Titel "Vendée" hat Hans Schwarz ein Buch veröffentlicht, welches er mit eigenen Federzeichnungen illustriert hat.

Nach Frankreich führte Hans Schwarz seine nächste Exkursion nach Italien. Sein Buch "Ritt nach Rom" gab ihm die Gelegenheit, die Geschichte eines anderen Nachbarlandes zu beleuchten und eine erhabene Zivilisation in einer unvergleichlichen Gegend auferstehen zu lassen.

Jugenderinnerungen aus seinem geliebten Bern und auch Erzählungen anderer sammelte er nicht ganz ohne jeden wehmütigen Blick zurück an die gute alte Zeit in seinem Buch "Lasst hören aus alter Zeit". Oft machte er eine spontane Reise mit der Eisenbahn, um sich unters Volk zu mischen und dessen pointierten Äusserungen und Kritiken zu hören. Diese aus dem realen Leben entstandenen Notizen waren die Grundlage für sein Werk "Reise durch Helvetien“.

1937 unternahm Hans Schwarz seine längste Reise und veröffentlichte darüber das Buch: "Vier Pferde, ein Hund und drei Soldaten". Von Bern nach Istanbul, über Wien, Budapest und Bukarest, folgte er mit seinen Begleitern der alten Kreuzritterroute, über welche diese einst zu den Heiligen Orten im Nahen Osten gelangt waren. Die Rückreise führte ihn durch Griechenland, Albanien und über den Balken. Als er schliesslich, wieder zurück in Bern, von seinem Pferd stieg, hatte er Orte und Gegenden gesehen, die völlig anders waren, als die Schweiz. "For Ever" und "Der Schimmel von Perbal", veröffentlicht in den Folgejahren, erzählen von den Reisen des Hans Schwarz nach Grossbritannien, in die Tschechoslowakei und nach Polen.

Eine andere Reise führte nach Pèlerinage in Belgien bei Waterloo. Unter dem Titel "Ritt nach Waterloo" hat er diese Schlacht vom 18. Juni 1815 mit intensiven Emotionen wieder zum Leben erweckt. Das Schicksal von Napoléon und seinen Soldaten lässt sich in der Erzählung miterleben. Wie auf einem Schlachtengemälde verfolgt man die heroischen aber auch wahnwitzigen Leistungen der letzten französischen Reiterschwadronen im Kampf gegen die anstürmenden Engländer. Providence, die Stute von Hans Schwarz, ist in Waterloo über die gleichen Weiden und Wiesen gestapft, wie der legendäre Schimmel des Kaisers.

Hier kann nur kurz zusammengefasst werden, welches die Ursachen, Ideen oder Gedanken waren, welche Hans Schwarz zum Schreiben seiner Bücher antrieb. Eine umfassendere Arbeit dazu, welche auch eine Archivierung der noch vorhandenen Unterlagen umfasst, ist in Planung.

Der Journalist und Kämpfer

So wie Hans Schwarz ein grosser bernischer Schriftsteller war, war er auch ein Mann von unerschrockener Haltung, den nichts einschüchterte. Die Feder war als Kampfmittel für ihn ebenso gut geeignet, wie ein Degen es zu anderen Zeiten gewesen wäre. In seinem ihm ganz eigenen Stil, manchmal im Ton vertrauter Konversation, andere Male in der Bissigkeit eines Polemikers, schrieb er seine Geschichten und Artikel und griff seine Gegner an. In seine Texte liess er geschickt den berndeutschen Dialekt einfliessen, da das klassische Deutsch oft ungeeignet war, seinen Gedanken in einer Mischung aus Rauheit und Umgangssprache die passenden Konturen zu geben.

Zuerst in der „Nation“, später in seiner Zeitung "Schwarz auf Weiss", kämpfte Hans Schwarz mutig gegen gewisse Exponenten und Tendenzen der damaligen Zeit, welche die humanitären Traditionen zu vergessen schienen. Er war ein energischer Verteidiger des helvetischen Humanismus.

Hans Schwarz war es während des zweiten Weltkrieges verwehrt, erneut in Uniform gegen die Bedrohung des Landes anzutreten. Aber mit seinen Schriften, z. Bsp. „Kampf um Helvetien“, und mit seinen Reden trug auch er seinen Teil zum Kampf gegen den Nationalsozialismus bei. Ohne um sein eigenes Schicksal besorgt zu sein, nahm er lautstark gegen die von Nazideutschland ausgehende Gefahr Stellung. Vor dem Basler Münster sprach er einmal vor über fünfzehntausend Menschen. Es gab damals nicht viele, die dazu den Mut hatten. Auch später, als die Sowjetunion zu einer neuen Bedrohung für Europa wurde, scheute er sich nicht, gegen dieses unmenschliche System ins Felde zu ziehen („Humor hinter dem rostigen Vorhang“).

Der Gründer

Wie ausgeführt, war Hans Schwarz ein grosser Verehrer der Pferde. So tat ihm die zunehmende Mechanisierung des Alltages im Herzen weh. Er ertrug es nicht, dass diese Geschöpfe am Ende ihres Arbeitslebens wie seelenlose Objekte dem Schlachthof zugeführt werden sollten. Dies war der Auslöser für ein Projekt, welchem er noch einmal seine ganze Kraft widmete: „La Fondation pour le cheval“ oder „Die Stiftung für das Pferd“.

In Le Roselet, im damaligen Berner Jura, konnte er dank grosszügiger Unterstützung zwischen Wäldern und weiten Weiden sein einzigartiges Lebenswerk errichten. Ein Ort wo alte Pferde und junge Fohlen in komfortablen Ställen leben und die Freiheit auf den Weiden geniessen können. Auch heute noch, sogar mit zwei zusätzlichen Standorten, existiert die Stiftung weiter und verdient grosse Bewunderung. Die Stiftung ist im Internet unter www.philippos.ch/de/ erreichbar.

Hans Schwarz ist am 29. Juni 1965 in Bern gestorben. Seinem Wunsch zufolge ist seine Asche auf den Wiesen des Juras ausgestreut worden und beim Verlassen dieser Welt wird er die letzte Gewissheit mitgenommen haben, dass er seine Visionen verwirklichen konnte und seine Träume wahr geworden sind.

Köniz im Januar 2006, Daniel Bernasconi-Schwarz